Ist Online-Werbung das Allheilmittel für 2015?

Wie können Firmen heute effektiv werben? Fünf Fragen zu den aktuellen Werbe-Trends an den Werbe-Spezialisten Dirk Gieschen

Online-Werbung mit Internet-Bannern, einer Facebook-Präsenz und Youtube-Videos ist in aller Munde. Ist sie das Allheimittel für die Werbung? 

Gieschen: Die Online-Werbung ist auf jeden Fall spannend und bietet sehr interessante Möglichkeiten. Beinahe jeder surft heute im Internet und immer mehr Leute tun dies per Smartphone auch unterwegs. Jüngere Zielgruppen erreicht man teilweise nur noch auf diesem Weg. Aber für die Werbeaktivitäten als Ganzes wäre es ein großer Fehler, allein auf die Online-Werbung zu setzen Vielmehr wachsen heute die Anzeigen-Werbung in Zeitungen, gedruckte Prospekte, Außenwerbung und die Werbung im Internet immer weiter zusammen.

Was meinen Sie mit „zusammenwachsen“ konkret?
Gieschen: In guten  Anzeigen finden Sie heute selbstverständlich die Internet-Adresse der Firma. Das ist ein absolutes „Muss“. Immer häufiger gibt es eigene Webseiten für das beworbene Produkt, sogenannte „landingpages“. Dort findet man dann ausführlichere Informationen zum Produkt und vielleicht auch ein Youtube-Video. Und immer mehr Firmen stellen den hilfreichen QR-Code in die Anzeige.

Welchen Nutzen bietet der QR-Code?
Gieschen: Damit machen Sie es dem Leser ganz einfach, weitere Informationen im Internet aufzurufen. Denn hinter dem schwarzen Quadrat verbirgt sich ein Internet-Link, den das Smartphone beim Einlesen automatisch aufruft. Das kann die Startseite des Internet-Auftritts der Firma oder eben die Landingpage für das neue Produkt sein. So bieten Sie dem Anzeigen-Leser den direkten Zugriff auf ausführliche Informationen: Der Link kann auf eine ganz bestimmte Seite führen, beispielsweise direkt zum Praxisvideo, in dem das Produkt im Einsatz gezeigt wird.

Werbung per Facebook und Youtube wird als besonders kostengünstig hingestellt. Ist das so?
Gieschen: Youtube-Videos und Facebook-Aktivitäten bringen nur dann etwas, wenn die Zielgruppe sie auch wahrnimmt, nutzt und im Idealfall sogar weitergibt. Gute Aktivitäten kosten auf jeden Fall Zeit, um interessante Ideen in lesbare Beiträge umzusetzen. Ein guter Video-Clip für Youtube entsteht ebenfalls nicht „nebenbei“ mit dem Smartphone. Dafür ist zunächst Vorarbeit erforderlich, damit vor Ort dann die richtigen Dinge optimal gefilmt werden. Nachher ist ein guter Schnitt gefordert, um einen attraktiven Film als Endergebnis zu bekommen. Umsonst ist das nicht, auch für diese Online-Werbung muss man Geld einsetzen. Aber es lohnt sich.

Wo findet sich in diesem Zusammenspiel der Werbung die klassische Zeitungsanzeige wieder?
Gieschen: Mit der Zeitungsanzeige holen Sie den Leser „zu Hause“ ab – am Frühstückstisch. Das funktioniert, weil Sie wissen, dass die Zielgruppe die Zeitung liest. Bei den Alternativen ist das längst nicht so sicher: Beinahe alle anderen Medien leiden heute unter einer Inflation der Angebote: Fernsehsender gab es früher drei, heute gibt es hunderte. Radiosender gab es früher eine Handvoll, heute gibt es für jede Altersstufe eine breite Auswahl. Und im Internet gib es Millionen verschiedener Werbe-Angebote. Entscheidend ist, dass Werbung von der Zielgruppe gesehen werden kann, weil das betreffende Medium intensiv genutzt wird. Und für diese Aufgabe sind Zeitungen und Zeitschriften weiterhin gut aufgestellt.